Latente Steuern Beispiel Essay

Temporäre Differenzen

Beim Temporary-Konzept erfolgt die Abgrenzung anhand von temporären Differenzen, die aus unterschiedlichen Wertansätzen in der Handels- und in der Steuerbilanz resultieren und sich künftig steuerbe- oder -entlastend umkehren. Temporäre Differenzen i. S. d. § 274 Abs. 1 HGB umfassen nicht nur Fälle, in denen der betreffende Bilanzposten sowohl in der Handels- als auch in der Steuerbilanz angesetzt ist (= Bewertungsunterschiede), sondern auch solche, in denen der Bilanzposten entweder nur in der Handelsbilanz (z. B. selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens oder Drohverlustrückstellungen) oder aber nur in der Steuerbilanz (z. B. steuerfreie Rücklagen) angesetzt ist (= Ansatzunterschiede).

Quasipermanente Differenzen

Im Gegensatz zum früheren GuV-orientierten Timing-Konzept sind darüber hinaus aber auch quasipermanente Differenzen in die Betrachtung miteinzubeziehen. Dabei handelt es sich um Unterschiedsbeträge, die zwar zeitlich begrenzt sind, deren Abbau jedoch von den Dispositionen des Unternehmens abhängig ist bzw. im Zweifel erst bei Liquidation des Unternehmens erfolgt.

Praxis-Beispiel

Quasipermanente Differenzen

In der Handelsbilanz der A-GmbH ist ein unbebautes Grundstück aktiviert mit einem Buchwert i. H. v. 500.000 EUR. Aufgrund von Anpassungen im Rahmen einer steuerlichen Außenprüfung beträgt der Buchwert in der Steuerbilanz 700.000 EUR.

Es liegt eine quasipermanente Differenz vor, da sich die unterschiedliche Bewertung in Handels- und Steuerbilanz nicht von selbst auflösen wird und mit einer entsprechenden Auflösung auch nicht in absehbarer Zeit zu rechnen ist. Die temporäre Differenz wird sich regelmäßig erst bei Veräußerung des Grundstücks auflösen.

Permanente Differenzen

Für permanente Differenzen ist keine Steuerabgrenzung vorzunehmen. Permanente Differenzen resultieren aus außerbilanziellen steuerlichen Korrekturen wie z. B. steuerfreien Gewinnen oder nicht abzugsfähigen Betriebsausgaben.

Praxis-Beispiel

Permanente Differenzen

Die B-GmbH ist an der C-GmbH zu 100 % beteiligt. Die Beteiligung ist zum Bilanzstichtag 31.12.01 sowohl in der Handels- als auch in der Steuerbilanz mit den Anschaffungskosten i. H. v. 500.000 EUR aktiviert. Aufgrund einer wirtschaftlichen Schieflage bei der C-GmbH wird zum Bilanzstichtag 31.12.02 in der Handelsbilanz der B-GmbH eine außerplanmäßige Abschreibung i. H. v. 200.000 EUR vorgenommen. In der Steuerbilanz erfolgt hierzu korrespondierend eine Teilwertabschreibung in gleicher Höhe. Aufgrund von § 8b Abs. 3 Satz 3 KStG mindert diese allerdings nicht den steuerlichen Gewinn und ist außerbilanziell hinzuzurechnen.

In diesem Fall liegt eine permanente Differenz vor, da sich diese Differenz nicht mehr umdrehen wird. Der Ansatz latenter Steuern kommt nicht in Betracht.

Aktive latente Steuern auf Verlustvorträge

Darüber hinaus sind – auch wenn es sich nicht um Differenzen im eigentlichen Sinne handelt – gem. § 274 Abs. 1 Satz 4 HGB auch Verlustvorträge bei der Berechnung aktiver latenter Steuern zu berücksichtigen. Verlustvorträge sind allerdings nur in Höhe der innerhalb der nächsten 5 Jahre zu erwartenden Verlustverrechnung zu berücksichtigen.

Praxis-Beispiel

Verlustvorträge

Die A-GmbH verfügt zum 31.12.02 über steuerliche Verlustvorträge i. H. v. 4 Mio. EUR. Aufgrund der Budgetplanungen und der prognostizierten Geschäftsentwicklung ist davon auszugehen, dass dieser Verlustvortrag in den kommenden 8 Jahren gleichmäßig genutzt werden kann.

Für die Berechnung der aktiven latenten Steuern ist nicht der Gesamtbetrag des Verlustvortrags zugrunde zu legen, sondern nur der Teil, der innerhalb der nächsten 5 Jahre voraussichtlich durch Gewinne verbraucht wird. Bei einer unterstellten gleichmäßigen Verlustnutzung über die nächsten 8 Jahre können somit nur aktive latente Steuern auf 2,5 Mio. EUR gebildet werden (4 Mio. EUR verteilt auf 8 Jahre = 500.000 p. a. multipliziert mit 5 Jahren).

Praxis-Tipp

Steuergutschriften und Zinsvorträge

Für den Ansatz latenter Steuern auf Steuergutschriften und Zinsvorträge sind die für steuerliche Verlustvorträge geltenden Regelungen entsprechend anzuwenden.[1]

Voraussichtlicher Abbau der Differenzen

Die Frage des voraussichtlichen Ausgleichs bestehender Differenzen ist anhand von Wahrscheinlichkeitsüberlegungen zu klären, bei denen das handelsrechtliche Vorsichtsprinzip zu beachten ist. Passive und aktive latente Steuern dürfen nur dann angesetzt werden, wenn in der Zukunft tatsächlich mit einer Steuerbelastung oder Steuerentlastung ernsthaft zu rechnen ist. An den Nachweis der Wahrscheinlichkeit sind insbesondere dann hohe Anforderungen zu stellen, wenn das Unternehmen, das latente Steuern auf Verlustvorträge aktivieren will, bereits in der Vergangenheit nicht über ausreichende nachhaltige Gewinne verfügte. Um die Aktivierung latenter Steuern auf Verlustvorträge nachprüfbar und praktikabel zu gestalten, dürfen diese bei der Ermittlung der aktiven latenten Steuern zudem nur berücksichtigt werden, soweit zu erwarten ist, d...

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Meistgelesen

Passive latente Steuern entstehen, wenn der Steueraufwand in der Handelsbilanz (fiktive Steuern) höher ist als der Steueraufwand in der Steuerbilanz (effektive Steuern). Steuern werden aus dem Gewinn aus der GuV abgeleitet. Ist also der steuerliche Gewinn geringer, als der handelsrechtliche entstehen Passive latente Steuern.

In der Handelsbilanz besteht für passive latente Steuern eine Ansatzpflicht ((§ 274 Abs. 1 HGB). Kleine Kapitalgesellschaften sind gemäß § 274a Nr. 5 HGB von der Bilanzierung latenter Steuern befreit. Wirtschaftlich sind passive latente Steuern wie eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt zu verstehen. 

Hier klicken zum Ausklappen Passive latente Steuern entstehen, wenn
  • Aktivposten in der Handelsbilanz höher angesetzt werden als in der Steuerbilanz 

  • Passivposten in der Handelsbilanz niedriger angesetzt werden als in der Steuerbilanz.
Hier klicken zum Ausklappen Das Unternehmen XY aktiviert am 02.01.2011 Entwicklungskosten in Höhe von 600.000 €. Diese Kosten werden über die Nutzungsdauer von 3 Jahren linear abgeschrieben. Der Steuersatz beträgt 30%.
Geschäftsjahr31.12.2011   31.12.2012   31.12.2013
AV Handelsbilanz400.000 €200.000 €0 €
AV Steuerbilanz0 €0 €0 €
Differenz400.000 €200.000 €0 €
Latente Steuern120.000 €60.000 €0 €
Steueraufwand120.000 €
Steuerertrag60.000 €

60.000 €

Nach § 5 Abs. 2 EStG dürfen Entwicklungskosten nicht angesetzt werden. Handelsrechtlich besteht ein Aktivierungwahlrecht, welches das Unternehmen XY in Anspruch nimmt. Am 31.12.2011 aktiviert das Unternehmen die Entwicklungskosten abzüglich der Abschreibung (= 200.000 €) für das Jahr 2011 in Höhe von 400.000 €. Es ergibt sich demnach eine Steuerdifferenz zwischen den Wertansatzen in der Handels- und Steuerbilanz in Höhe von:

Für 2011: 400.000 * 03 = 120.000 €

Im Geschäftsjahr 2011 werden passive latente Steuern in Höhe von 120.000 € gebildet, welche erfolgswirksam als Aufwand gebucht werden:

Steueraufwand   an   Passive latente Steuern   120.000 €

Im Geschäftsjahr 2012 beträgt der Wertansatz in der Handelsbilanz nach Abzug der Abschreibung noch 200.000 €. Es ergibt sich demnach eine Steuerdifferenz in Höhe von 60.000 € (= 200.000 * 0,3) zwischen den Wertansätzen in der Handels- und Steuerbilanz. Die bereits in 2011 gebildeten passiven latenten Steuern betragen aber 120.000 €. Dies bedeutet, dass 60.000 € passive latente Steuern erfolgswirksam (Ertrag) aufgelöst werden müssen. Der Buchungssatz hierzu lautet:

Passive latente Steuern  an   Steuerertrag   60.000 €

Im Geschäftsjahr 2013 besteht keine Differenz mehr zwischen Handels- und Steuerbilanz. Demnach müssen die gesamten passiven latenten Steuern erfolgswirksam aufgelöst werden. 

Passive latente Steuern  an   Steuerertrag   60.000 €

Video: Passive latente Steuern

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